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Elektrostatisch gefährdete Bauelemente und Baugruppen
Sicherlich
habe Sie schon einmal bei der Berührung eines Türgriffes oder anderer Gegenstände
in der Dunkelheit beobachtet, daß ein kleiner Lichtbogen sichtbar wird. Wie bei
dem Naturschauspiel Gewitter ist der Lichtbogen ein sichtbares Zeichen für die
Entladung ungleicher Spannungspotentiale.
Elektrische Ladungen entstehen, wenn sich zwei nichtähnliche Gegenstände an
ihren Oberflächen berühren und anschließend wieder trennen (z. B. Gehen über
einen Teppichboden) oder durch Influenz. Als Influenz bezeichnet man die
Beeinflussung eines elektrisch ungeladenen Körpers durch die Annäherung eines
geladenen. Ein aufgeladener Körper wird z. B. in die Nähe (nicht in Kontakt)
einer elektronischen Baugruppe gebracht. Die Ladungsteilchen werden dadurch
polarisiert. Fließen dann durch eine elektrisch leitenden Verbindung Elektronen
zur Erde ab, bleibt nach dem Lösen der elektrischen Verbindung zur Erde eine
geladene Baugruppe zurück. Anschließend verteilt sich das eine zurückbleibende
Spannungspotential über die Baugruppe.
Viele Elektronische Bauelemente sind so empfindlich, daß sie bereits bei
Spannungen von 5V zerstört oder zumindest beschädigt werden. Alleine das Gehen
über Teppichboden kann je nach Luftfeuchtigkeit Spannungen zwischen 1500V und
35000V entstehen lassen. Besonders an kalten trockenen Wintertagen ist die
Gefahr für Bauelemente groß, weil die relative Luftfeuchtigkeit sehr niedrig
ist. Die Hochohmigkeit der Luft verhindert dann den natürlichen Potentialausgleich.
Außerdem sind statische Ladungen ein idealer Anziehungspunkt für
Schmutzpartikel. Gerade in der Halbleiterfertigung, wo elektronische Baugruppen
unter Reinraumbedingungen hergestellt werden, zerstören bereits kleinste
Schmutzpartikel die sensiblen Halbleiter. Daher werden immer höhere
Anforderungen an die Werkstoffe gestellt. Keine Frage, das empfindliche
elektronische Bauelemente vor elektrostatischer Endladung, elektrischen Feldern
und vor Schmutzpartikeln geschützt werden müssen. Sowohl Menschen, Umwelt als
auch Maschinen unterliegen daher Regeln in der Handhabung mit elektrostatisch
gefährdeten Bauelementen und Baugruppen, kurz EGB geannant.
Unsere menschlichen Sinnesorgane können nur einen Eindruck über
elektrostatische Entladungen vermitteln. Z. B. sehen wir einen Lichtbogen erst
ab 10000V, hörbar für das menschliche Ohr ist er ab 5000V und spürbar ab
3000V. Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der EGB´s vor elektrostatischer
Entladung sind daher zwingend notwendig.
Im täglichen Leben begegnen uns elektronische Bauelemente. Sei es im Computer,
der Unterhaltungselektronik oder der Maschinensteuerungen. Offene Baugruppen mit
elektronischen Bauelementen sind vor allem aus der Computerbranche bekannt.
Meist sind die Zubehörteile in einer speziellen, EGB gerechten Hülle verpackt.
Die Montageanleitung enthält Hinweise auf die Handhabung beim Einbau. So gibt
es auch EGB-Richtlinien speziell bei der Herstellung, Verarbeitung, Montage und
Transport solcher Bauelemente, die noch nicht durch ein Gehäuse vor
elektrostatischer Aufladung und Felder geschützt sind.
©
by Rainer Weller
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